Erziehungsberatungsstelle Kreis Wesel in Dinslaken wird 70

Die Erziehungsberatungsstelle des Kreises Wesel in Dinslaken feiert in diesem September ihr 70-jähriges Bestehen. Mit der Eröffnung am 11. September 1956 gehörte die Beratungsstelle des damaligen Kreises Dinslaken nach Angaben des Kreises zu den Pionieren der kommunalen Erziehungsberatung. Heute bietet sie ein etabliertes und vielfältiges Angebot für Eltern, Kinder und Jugendliche.
Kreisdirektor Ralf Berensmeier betonte, Familien könnten mit allen Anliegen und Sorgen zur Erziehungsberatung kommen. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiteten in Beratungsteams und unterstützten Ratsuchende kostenfrei, unabhängig und unter Wahrung der Schweigepflicht. Dass das Angebot in Dinslaken seit 70 Jahren vorgehalten werde, sei eine große Unterstützung für die Menschen vor Ort.
Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Während im Jahr 2010 noch 456 Fälle betreut wurden, waren es 2025 bereits 718. Das entspricht laut Kreis einer Steigerung um 63,5 Prozent innerhalb von 15 Jahren. Dadurch könnten einige Fälle nicht mehr in der früher möglichen Intensität betreut werden, außerdem hätten sich die Wartezeiten deutlich verlängert.
Schwerpunkte der Beratung
Zu den häufigsten Anliegen gehören Konzentrations-, Lern- und Schulprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, emotionale Störungen sowie familiäre und soziale Konfliktlagen. Deutlich zugenommen haben nach Angaben des Kreises außerdem Probleme im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung.
Christian Weißenbruch, Leiter des Beratungsdienstes des Kreises Wesel, verwies auf zunehmend unterschiedliche Wertesysteme, veränderte Familienstrukturen und vielfältige Einflüsse etwa durch soziale Medien, KI, verunsichernde gesellschaftliche Entwicklungen sowie wandelnde Schul- und Ausbildungssituationen. Dadurch würden die Anlässe zur Vorstellung junger Menschen immer komplexer und die Anforderungen an die Beratungsarbeit vielschichtiger.
Angebote und Kontakt
In der Beratungsstelle arbeiten Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie, Sozialarbeit, Pädagogik und Heilpädagogik interdisziplinär zusammen. Sie bieten Beratung, Diagnostik und Therapie an. Neben der Einzelfallarbeit gibt es auch Gruppenangebote und Präventionskurse.
Nähere Informationen zu allen Angeboten gibt es auf der Website des Kreises unter www.kreis-wesel.de oder telefonisch unter 0281/207-5915.
Hintergrund
Nach Angaben des Kreises war die Beratungsstelle in Dinslaken die insgesamt zehnte Beratungsstelle in Nordrhein-Westfalen und die zweite eines Landkreises. In den frühen 1950er-Jahren habe sich das Bewusstsein entwickelt, dass junge Menschen und ihre Familien, die noch unter den Folgen von Krieg, Not und Vertreibung litten, mehr Beratung und Hilfe erhalten sollten.
Mit der kommunalen Neugliederung und der Entstehung des Kreises Wesel im Jahr 1975 übertrugen die kreisangehörigen Städte die gesetzliche Pflichtaufgabe der Erziehungsberatung in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung an den Kreis Wesel. So entstand ein flächendeckendes vernetztes Versorgungssystem mit Beratungsstellen in Dinslaken, Moers, Kamp-Lintfort und Xanten sowie mit zwei vertraglich eingebundenen Beratungsstellen der Caritas-Verbände in Wesel und Rheinberg.
Nach Angaben des Kreises erleichtert die übergreifende Organisation allen Kommunen die Finanzierung und die Sicherstellung eines hochwertigen Beratungsangebotes. Dieses System habe sich bis heute bewährt.