Bad Münstereifel setzt auf grüne Ausgleichsflächen
Neues Ökokonto ermöglicht ökologische Aufwertungen für Bauprojekte – Beispiel Rupperath zeigt Erfolge

In Bad Münstereifel schreitet der Naturschutz durch ein besonderes Modell voran: Das sogenannte Ökokonto des städtischen Forstbetriebs ermöglicht es, Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben auszugleichen, auch wenn Bauherren selbst keine geeigneten Flächen besitzen. Im Rahmen dieses Systems werden ehemals ungenutzte Flächen gezielt ökologisch aufgewertet, was sowohl dem Artenschutz als auch der nachhaltigen Entwicklung der Stadt zugutekommt.
Ökokonto: Ausgleich schaffen für Natur und Bauprojekte
Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen bei Bauvorhaben, die Auswirkungen auf Natur und Landschaft haben, sogenannte Ausgleichsmaßnahmen realisiert werden. Diese Verpflichtung kann jedoch für private Bauherren herausfordernd sein, wenn ihnen keine eigenen Flächen zur Verfügung stehen. Daher bietet der Forstbetrieb von Bad Münstereifel die Möglichkeit, Ausgleichsleistungen fachgerecht und ökologisch abgestimmt auf städtischen Flächen umzusetzen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden auf zahlreichen Forstflächen der Stadt standortgerechte Waldumbaumaßnahmen durchgeführt. Ziel war es dabei stets, Flora und Fauna an die natürlichen Standortbedingungen anzupassen und ökologisch wertvolle Strukturen zu schaffen.
Beispiele für Ausgleichsmaßnahmen
Modernisierung und Ausweitung des Ökokontosystems
Im Schulterschluss mit dem Landkreis wurde das Ökokontosystem jüngst modernisiert und auf Flächen außerhalb der Wälder, vor allem auf Brachflächen im Offenland, ausgedehnt. Das Konzept sieht vor, dass nicht mehr jede Ausgleichsfläche einem bestimmten Bauprojekt zugeordnet wird. Stattdessen wird ein zentrales Ökokonto geführt, das Bauherren flexible Nutzung ermöglicht.
Nach einem Beschluss im Stadtrat wurde das Ökokonto formell beim unteren Naturschutzamt beantragt. Hierzu wurden vormals stillgelegte Flächen aufgewertet, darunter ehemalige Sportplätze, die nun als Vorratsflächen dienen. Durch Rückbau und gezielte Pflege entstanden ökologisch hochwertige Flächen, deren Aufwertung in das Ökokonto einfließt. Für die dauerhafte Pflege konnten verantwortliche Flächenbetreuer gewonnen werden.
Die Verbesserung der ökologischen Qualität führte zu einer deutlichen Erhöhung der sogenannten Ökopunkte. Laut Schätzungen des Forstbetriebs könnten aktuell bis zu 37.000 Ökopunkte für das Ökokonto angerechnet werden.
Verfahren und Vorteile für Bauherren
Bei jedem Bauantrag ist ein Gutachten über die ökologische Wertigkeit der betroffenen Fläche vorzulegen, die in Ökopunkten bewertet wird. Muss eine Fläche ausgeglichen werden, kann der Bauherr diese Ökopunkte beispielsweise über das städtische Ökokonto erwerben. Dies bringt insbesondere für Bürgerinnen und Bürger von Bad Münstereifel Vorteile: Durch das zentrale Ökokonto lassen sich Ausgleichsverpflichtungen unkompliziert und zeitnah erfüllen.
Konkrete Umsetzung: Sportplätze als neue Biotope
Ein herausragendes Beispiel ist der ehemalige Sportplatz in Rupperath. Vorbereitende Maßnahmen wie Eggen und Grubbern wurden durchgeführt, sensible Bereiche des Bodens wurden übernommen. Die neuen Biotope werden zweimal jährlich extensiv gemäht, auf Düngung und Pflanzenschutz wird ausnahmslos verzichtet. Dadurch entstehen vielfältige Lebensräume für Insekten und bodenbrütende Vogelarten.
Auch vor Ort lässt sich der Erfolg anschaulich beobachten: Bereits kurz nach Beginn der Maßnahmen konnten zahlreiche verschiedene Grassorten entdeckt werden, das verwendete Saatgut stammt von benachbarten Naturschutzwiesen. Schafe helfen zusätzlich bei der natürlichen Pflege der Flächen.
Kooperation und Ausblick
Derzeit stimmen sich die untere Naturschutzbehörde und die Biostation im Kreis Euskirchen über das weitere Vorgehen in der Pflege der Ökokontoflächen ab. Bereits jetzt zeigt sich, dass das Modell in Bad Münstereifel einen zukunftsweisenden Beitrag zum kommunalen Naturschutz leistet.
Bei einem gemeinsamen Besuch auf einer der Flächen konnten die Bürgermeisterin Frau Preiser-Marian und Stefan Lott, Leiter des Forstbetriebs, das Ergebnis begutachten: Innerhalb weniger Minuten wurden zahlreiche Gräserarten festgestellt – ein Beleg für die ökologische Entwicklung.
Das Ökokontosystem beweist, wie nachhaltige Städteentwicklung und der Schutz der natürlichen Umwelt Hand in Hand gehen können.
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