Kevelaer muss Haushaltssicherungskonzept weiterführen – gpaNRW fordert Konsolidierungsmaßnahmen

gpaNRW fordert dringende Konsolidierungsmaßnahmen für Kevelaers Haushalt nach Prüfungsergebnissen vom 8. Oktober 2026.

Von Redaktion Kevelaer3 Min. Lesezeit
Personen von links: Lutz Verbeet, Mario Deckers, Stefanie Köster, Bürgermeister Dr. Dominik Pichler, Michael Esken und Tobias Fuß bei einer Übergabe im Rat.

© Wallfahrtsstadt Kevelaer, W. Barz

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gpaNRW sieht einen dringenden Handlungsbedarf, die Haushaltssituation der Wallfahrtsstadt Kevelaer durch Konsolidierungsmaßnahmen zu verbessern

Prüfungsergebnisse im Rat am 8. Oktober 2026 zeigen Defizite seit 2023 und Handlungsbedarf in Finanz‑, Kredit‑ und Klimaschutzbereich

Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, stellte die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein‑Westfalen (gpaNRW) im Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer die Ergebnisse ihrer überörtlichen Prüfung vor. Die Prüferin Stefanie Köster, Prüfer Tobias Fuß, Projektleiter Mario Deckers und Präsident Michael Esken erläuterten die Befunde zu Finanzen, Zahlungsabwicklung, Gremienarbeit, Personal, Organisation, Informationstechnik, Klimaschutz und kommunalem Krisenmanagement.

Haushaltssituation erfordert Konsolidierungsmaßnahmen

Die gpaNRW sieht bei der Haushaltssituation der Wallfahrtsstadt Kevelaer dringenden Handlungsbedarf. Während in den Jahren 2019 bis 2022 noch positive Jahresergebnisse erzielt wurden, wiesen die Jahre 2023 und 2024 Defizite aus. Auch die Haushaltsplanung bis 2029 geht von Fehlbeträgen aus. Trotz einer überdurchschnittlichen Eigenkapitalausstattung im Jahr 2024 würden die geplanten Fehlbedarfe die Ausgleichsrücklage vollständig und die allgemeine Rücklage nahezu vollständig aufzehren. Deshalb war mit dem Haushalt 2026 die Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzepts erforderlich. „Die gpaNRW sieht einen dringenden Handlungsbedarf für die Wallfahrtsstadt Kevelaer, ihre Haushaltssituation durch Konsolidierungsmaßnahmen zu verbessern“, erklärte Michael Esken, Präsident der gpaNRW.

Wirtschaftlichkeit und Kreditmanagement stärken

Für größere Investitionen empfiehlt die gpaNRW, verbindliche Wertgrenzen für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen festzulegen und Folgekosten systematisch zu berücksichtigen. Im Kreditmanagement sollen schriftliche Regelungen und ein unterjähriges Berichtswesen die Transparenz und Rechtssicherheit erhöhen.

Zahlungsabwicklung, Vollstreckung und Gremienarbeit

Die gpaNRW bewertet die Zahlungsabwicklung und Vollstreckung als wirtschaftlich, sieht jedoch Potenzial beim Anteil der Zahlungen im SEPA‑Lastschriftverfahren. Die Gremienstruktur wird als unauffällig und effizient bezeichnet; im Vergleich zu anderen Kommunen fanden deutlich weniger Sitzungen statt. „Dies deutet auf ein effizientes und vorausschauendes Sitzungsmanagement hin“, so Prüfer Tobias Fuß. Das digitale Ratsinformationssystem und die vollständige Erfüllung der Veröffentlichungspflichten nach dem Korruptionsbekämpfungsgesetz wurden positiv hervorgehoben.

Personal, Organisation und Digitalisierung

Im Prüfgebiet Personal, Organisation und Informationstechnik ist Kevelaer im interkommunalen Vergleich insgesamt gut aufgestellt. Die gpaNRW empfiehlt jedoch, einen verwaltungsweit einheitlichen Rahmen für die Priorisierung von Aufgaben, Qualitätsziele und die Dokumentation von Prozessen zu schaffen. „Gerade im Prozessmanagement bestehen noch deutliche Entwicklungspotenziale“, so Prüferin Stefanie Köster. Im IT‑Bereich wird die überdurchschnittliche Nutzung Künstlicher Intelligenz gelobt; weitere Standardisierung im IT‑Service‑Management wird als Potenzial benannt.

Klimaschutz und Gebäudebestand

Seit 2016 verfügt Kevelaer über ein integriertes Klimaschutzkonzept und arbeitet an einem Klimaanpassungskonzept. Das Ziel der gesamtstädtischen Treibhausgasneutralität bis 2045 erfordere laut gpaNRW eine Überprüfung und Aktualisierung der Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf den städtischen Gebäudebestand. Projektleiter Mario Deckers erklärte: „Nach Einschätzung der gpaNRW müsste die Stadt perspektivisch ihre Finanzmittel in den eigenen Gebäudebestand verdoppeln, wenn sie ihr Ziel des THG‑neutralen Gebäudebestands bis zum Jahr 2045 erreichen möchte.“

Krisenmanagement

Das kommunale Krisenmanagement wird ebenfalls positiv bewertet. Risiken wurden analysiert, bewertet und priorisiert; szenariobasierte Handlungskonzepte und regelmäßige Übungen, teilweise gemeinsam mit anderen Kommunen, stärken die Handlungsfähigkeit der Mitarbeitenden. „Dies stärkt und festigt die Handlungsfähigkeit der eingesetzten Bediensteten und ermöglicht die Entwicklung von Einsatzroutinen“, so Prüfer Tobias Fuß.

Stellungnahme des Bürgermeisters

Bürgermeister Dr. Dominik Pichler kommentierte die Ergebnisse: „Die Prüfung bestätigt uns in vielen Bereichen eine gute und zukunftsorientierte Arbeit. Zugleich macht sie deutlich, dass wir die Entwicklung unseres Haushalts mit großer Konsequenz begleiten müssen. Die Weiterführung des Haushaltssicherungskonzepts ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der Politik und Verwaltung sich auch bei den diesjährigen Haushaltsberatungen gemeinsam wieder verantwortungsvoll stellen werden.“

Weiterführende Informationen

Der vollständige Prüfungsbericht wird in Kürze auf der Website der gpaNRW (www.gpa.nrw.de) veröffentlicht.

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