Iserlohn eröffnet „FrauenOrt NRW“ und verleiht Fanny-van-Hees-Preis
In Iserlohn ist ein neuer „FrauenOrt NRW“ eröffnet worden. Die Informations- und Gedenktafel an der Gartenstraße 33 erinnert an Fanny van Hees, die im 19. Jahrhundert maßgeblich dazu beitrug, Mädchen in der Stadt bessere Bildungschancen zu eröffnen. Am selben Tag wurde außerdem der nach ihr benannte Fanny-van-Hees-Preis an Helene Jochheim verliehen.
Erinnerung an eine Pionierin der Mädchenbildung
Die Tafel wurde am Samstag, 26. September, am ehemaligen Schulgebäude an der Gartenstraße 33 enthüllt. Dort hatte Fanny van Hees 1852 die erste Höhere Töchterschule in Iserlohn gegründet und geleitet. Aus dieser Schule entwickelte sich später das heutige Gymnasium An der Stenner.
An der Eröffnung wirkten in Kooperation der FrauenRat NRW, das Gymnasium An der Stenner, die Iserlohner Frauen-AG, das Stadtarchiv Iserlohn und die Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn mit. Enthüllt wurde die Tafel von Inge Blask, Mitglied des Landtags und Vorstandsmitglied des FrauenRates NRW, Stadtarchivar Rico Quaschny sowie der Gleichstellungsbeauftragten Patricia da Cruz Santos. Den Text für die Tafel erarbeitete das Stadtarchiv. Zur Eröffnung kamen etwa 50 Menschen.
Der neue „FrauenOrt NRW“ soll an einem historischen Ort die Wirkung von Fanny van Hees sichtbar machen. Gewürdigt wird damit eine Frau, die Mädchen eine weiterführende Bildung ermöglichte, die weit über den damaligen Elementarunterricht hinausging. Fanny van Hees ist eine von acht Frauen, die in diesem Jahr durch einen „FrauenOrt NRW“ gewürdigt werden.
Stadtarchivar Rico Quaschny verwies bei der Eröffnung auf die geringe Sichtbarkeit von Frauen in der öffentlichen Erinnerungskultur. Von rund 1.000 Straßen und Plätzen in Iserlohn seien mehr als 80 nach Iserlohner Männern benannt, während nur wenige Frauennamen trügen. Nicht einmal ein Viertel davon gehe auf Iserlohner Frauen zurück. Auch der Name „Fanny-van-Hees-Gymnasium“ sei 1978 für die heutige Schule vorgeschlagen, im Schulausschuss aber abgelehnt worden.
Im anschließenden Programm in der Aula des Gymnasiums An der Stenner wurde die Bedeutung von Fanny van Hees für die Gegenwart aufgegriffen. Schulleiter Stefan Schmoldt und Bürgermeister Michael Joithe benannten in ihren Grußworten Fortschritte bei der Gleichberechtigung in den vergangenen Jahrzehnten und hoben deren Bedeutung insbesondere für den Bildungsbereich hervor. Historikerin Dr. Pauline Puppel gab Einblicke in das Leben der Schulgründerin und ordnete ihre Rolle für die Mädchenbildung ihrer Zeit ein.
Die Informations- und Gedenkstätte an der Gartenstraße 33, Ecke Stennerstraße, kann dauerhaft besichtigt werden.
Fanny-van-Hees-Preis für Helene Jochheim
Bei der anschließenden Preisverleihung in der Aula des Gymnasiums An der Stenner waren rund 100 Gäste anwesend. Der Fanny-van-Hees-Preis 2026 ging an Helene Jochheim. Die 1939 im Erzgebirge geborene Wahl-Iserlohnerin wurde für ihr langjähriges soziales und internationales Engagement ausgezeichnet.
Nach ihrem Abitur führten sie Stationen über Frankreich und die USA in die damalige Republik Kongo, wo sie als Missionshelferin tätig war. Später arbeitete sie als Lehrerin für das Goethe-Institut unter anderem in Iserlohn, Bangalore und Mumbai. Während ihrer Zeit in Indien nahm sie zwei Kinder bei sich auf. Nach einer weiteren Station in Indien kehrte sie mit ihnen nach Iserlohn zurück. Seit 2002 lebt sie wieder dauerhaft in der Stadt.
Jochheim war 1974 Gründungsmitglied der Iserlohner Gruppe von Amnesty International. Zudem unterstützte sie internationale Hilfsprojekte in Sri Lanka und Indien. Bis heute engagiert sie sich für andere Menschen, gibt Geflüchteten Deutschunterricht, wirkt in ihrer Gemeinde mit und ist weiterhin in einem Literaturkreis aktiv.
Nach Darstellung der Stadt verbindet sie damit Wesentliches mit Fanny van Hees: Beide verstanden Bildung als Möglichkeit, Menschen zu stärken und neue Wege zu eröffnen.
Die Laudationes hielten Shahla Katebini und Azar Soltani, die aus dem Iran stammen und Helene Jochheim dort als Lehrerin kennengelernt hatten. Die musikalische Begleitung übernahm Elif Tanriöver am Klavier.
Skulptur als Symbol
Überreicht wurde eine Preisskulptur mit dem Titel „Die Wegbereiterin“. Gestaltet wurde sie von der Iserlohner Künstlerin Lorina-May Sauer. Die Skulptur steht nach Angaben der Veranstalter für weibliche Souveränität, Verbundenheit und dafür, Wege für andere zu eröffnen.